Handel mit Lebendfängen

Handel mit aus der Wildnis gefangenen Elefanten

Die größten Landsäuger stehen unter Schutz – dennoch werden Elefantenbabys aus der Wildnis gefangen und verkauft. Zwischen 1990 und 2019 sind 1806 Afrikanische Elefanten ihren Familien entrissen und exportiert worden, davon 583 für Zirkusse und andere Wander­ausstellungen, 363 für Zoos.

Das Einfangen von Elefantenbabys verläuft in der Regel hoch dramatisch – und kostet nicht selten mehrere erwachsene Elefanten das Leben. Weibliche Elefanten und Jungtiere leben in eng verbundenen Familiengemeinschaften, und die Kleinen werden oft bis zum letzten Atemzug verteidigt. Doch der Verkauf von Elefantenbabys ist ein lukratives Geschäft. Allein in Simbabwe wurden zwischen 2012 und 2019 mindestens 140 Jungtiere ihrer Freiheit beraubt und an Zoos und Vergnügungsparks in China verkauft.

Viele dieser Kälber sind derart traumatisiert, dass sie bereits während des Exports oder nach kurzer Zeit der Gefangenschaft sterben. Die überlebenden Tiere führen in der Regel ein trostloses Leben, bei dem sie auf fast alles verzichten müssen, was ein artgerechtes Elefanten­leben ausmacht. Auch die in der Wildnis zurückbleibenden Familienmitglieder sind häufig traumatisiert durch die beim Einfangen der Babys erlebte Gewalt. Dies kann zu aggressivem Verhalten dieser Elefanten führen und dazu, dass sie zu „Problemtieren“ erklärt und erschossen werden.

Forderungen von Tierschutzorganisationen

Auf der Vertragsstaatenkonferenz CoP17 des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES wurden 2016 die Regeln für den Lebendhandel von Elefanten verschärft, indem der Nachweis eines Vorteils für die Elefanten vor Ort eingefordert wird. Die African Elephant Specialist Group der Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature) stellte jedoch fest, dass aus der Entnahme von Afrikanischen Elefanten aus der Wildnis kein direkter Nutzen für ihren In-situ-Schutz entstehen kann. Zahlreiche Artenschutzorganisationen, darunter Future for Elephants, erstellten für die Tagung des Ständigen CITES-Ausschusses SC69 im November 2017 einen Bericht, in dem sowohl die Situation der Tiere, die selbst vom Handel betroffen sind, als auch die Wirkung der Gefangennahme auf die in Afrika zurückbleibende Herde untersucht wird:
cites.org/sites/default/files/eng/com/sc/69/inf/E-SC69-Inf-36.pdf

Die Unterzeichner der Studie kommen zu dem Schluss, dass es weltweit keine Gefangenschaftseinrichtung für Elefanten gibt, die geeignet wäre, lebende, aus der Wildnis gefangene Afrikanische Elefanten, die ihren Familienherden gewaltsam entrissen wurden, zu beherbergen und für sie zu sorgen.

Neuregelung seit 2019

Bei der letzten CITES-Konferenz CoP18 in Genf haben die 183 Vertragsstaaten 2019 vereinbart, den Export wildlebender afrikanischer Elefanten in andere Kontinente weitgehend zu verbieten. Diese Neuregelung betrifft insbesondere Zoos. Zu den Ländern mit spezifischem Exportstopp gehören auch Botswana, Namibia und Südafrika. Die Verbringung von Elefanten in ihren natürlichen afrikanischen Lebensraum ist aber weiterhin möglich.

Der Handel mit Afrikanischen Elefanten soll künftig nur noch dann betrieben werden, wenn dies ihrem Erhalt in freier Wildbahn dient. Damit soll die Praxis beendet werden, in der Wildnis gefangene Elefanten an Zoos und Vergnügungsparks in aller Welt zu verkaufen.

Simbabwe hatte vergeblich versucht, die Entscheidung zu blockieren. Und die EU erwirkte ein Schlupfloch in den Regelungen: Afrikanische Elefanten sollen demnach in ihren angestammten Lebensräumen bleiben, „außer unter außergewöhnlichen Umständen“, in denen ein Export der Tiere „nachweisbaren Nutzen für den Schutz von Afrikanischen Elefanten vor Ort“ bringe. Auch „in Notsituationen“ sollen solche Transfers möglich sein. Entscheidungen darüber müssen in Abstimmung mit dem CITES-Tierkomitee und der African Elephant Specialist Group der IUCN getroffen werden.

Dem Beschluss zufolge dürfen überdies Elefanten, die in der Wildnis gefangen worden sind und bereits in afrikanischen Tierparks leben, in andere Kontinente exportiert werden.

Der Handel mit Asiatischen Elefanten ist verboten.

Zahlen und Fakten zum Handel mit wildgeborenen, gefangenen Afrikanischen Elefanten

Gesamtzahl der Exporte wildgeborener, gefangener Elefanten zwischen 1990 und 2019 1806 Elefanten
Hiervon:
Exporte für Zirkusse und Wanderausstellungen
(1990 - 2015)
583 Elefanten
Exporte für Zoos
(1990 - 2015)
331 Elefanten
Wiederentlassung in natürliche Umgebungen
(1990 - 2015)
497 Elefanten
Exporte für Zoos und Zirkusse allein aus Elefantenländern
(1990 - 2015)
366 Elefanten
Exporte ohne Angabe eines Handelszwecks
(1990 - 2015)
116 Elefanten
Länder, aus denen die meisten Exporte von wilden Elefanten für Zoos kamen Südafrika, Namibia, Simbabwe
Länder, aus denen die meisten Exporte von wilden Elefanten für Zirkusse kamen Südafrika, Namibia, Botswana
Ziel-Länder, die die meisten Elefanten für Zoos importiert haben China, USA, Mexiko
Ziel-Länder, die die meisten Elefanten für Zirkusse importiert haben Dänemark, Deutschland, Schweden, Polen, Italien, Norwegen, Monaco
Zahl der aus der Wildnis entnommenen Afrikanische Elefanten, die in Gefangenschaft leben 533 Elefanten
davon 465 in Zoos,
68 in Zirkussen
Afrikanische Elefanten, die gegenwärtig in europäischen Zoos leben (insbesondere in Deutschland, Spanien, UK und Frankreich) 121
Afrikanische Elefanten, die gegenwärtig in nordamerikanischen Zoos leben 142, davon 139 allein in den USA
Afrikanische Elefanten, die gegenwärtig in asiatischen Zoos leben 139, davon 80 in China und 45 in Japan
Weitere Länder, in denen gegenwärtig Afrikanische Elefanten, in Zoos leben Lateinamerika (hier allein 22 in Mexiko), Maghreb-Länder, Südafrika
Die meisten Afrikanische Elefanten, die in Zirkussen leben, sind in Europa 48, davon 22 in Deutschland
Afrikanische Elefanten, die in Zirkussen in den USA leben 16
Durchschnittliche Lebensspanne von im Zoo geborenen Afrikanischen Elefanten 17 Jahre
Durchschnittliche Lebensspanne von in der Wildnis geborenen Afrikanischen Elefanten  56 Jahre
Sterblichkeitsrate in den ersten 2 Lebensjahren bei Tieren, die in Gefangenschaft geboren werden  über 30 %
Sterblichkeitsrate in den ersten 2 Lebensjahren bei Tieren, die in der Wildnis geboren werden 4 - 25 %
Sterblichkeitsrate von jungen Afrikanische Elefanten, die in den USA in Gefangenschaft geboren wurden 54 %
Geschätzte Fläche, die ein Elefant braucht, um natürliches Verhalten praktizieren zu können und seine körperliche Fitness zu erhalten 2 km2 pro Elefant
Durchschnittliche Außenfläche, die ein Elefant in nordamerikanischen Zoos zur Verfügung hat unter 4.000 m2
Durchschnittliche Innenfläche, die ein Elefant in nordamerikanischen Zoos zur Verfügung hat 129 m2
Zahl der Elefanten, die China zwischen 1990 und 2015 gemäß CITES-Daten aus Simbabwe für Zoos importiert hat  35
Elefanten, die China gemäß Medienberichten seit 2012 aus Simbabwe importiert hat 2012: 8
2015: 27
2016: 35
2017: 38
2019: 32
(hiervon starben inzwischen mindestens 9)
Zahl der Elefanten, die im März 2016 aus Swaziland in 3 Zoos in den USA exportiert wurden 17 (hiervon starben inzwischen 2) 

QUELLEN

africanelephantjournal.com/hearts-of-darkness-a-history-of-zimbabwe-and-chinas-cruel-trade-in-baby-elephants/

cites.org/sites/default/files/eng/com/sc/69/inf/E-SC69-Inf-36.pdf